Kreisverwaltung informiert über Chancen der Hunsrückquerbahn für die Wirtschaft
Die Sanierung der Hunsrückquerbahn zwischen Langenlonsheim und Büchenbeuren durch die DB InfraGO steht nach Angaben der Deutschen Bahn kurz vor dem Abschluss. Vor diesem Hintergrund haben die Kreisverwaltung und der Regionalrat Wirtschaft e.V. am 19. Januar 2026 zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, um über die Chancen zu informieren, die sich aus der aktuellen Situation ergeben. Eingeladen waren insbesondere interessierte Unternehmen aus der Region.
Der Sitzungssaal der Kreisverwaltung war mit rund 40 Teilnehmenden gut gefüllt. Neben Vertreterinnen und Vertretern regionaler Unternehmen nahmen unter anderem auch Repräsentanten der Gemeinde Morbach sowie der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich an der Veranstaltung teil.
Landrat Volker Boch begrüßte die Anwesenden und stellte die Bedeutung der aktuellen Entwicklung heraus: „Die gerichtlich verfügte Sanierung der Bahnstrecke bietet eine einmalige Chance, auch und gerade für Unternehmen in der Region“, so der Landrat. „Es ist sehr viel Geld investiert worden. Deshalb geht es darum, dass die instandgesetzte Strecke der Deutschen Bahn sinnvoll durch Verkehre belebt wird. Dies betrifft sowohl den Güter- als auch den Personenverkehr. Gerade für die Wirtschaft kann eine Bahnanbindung ein echter Standortvorteil sein.“ Entscheidend sei dabei der konkrete Bedarf: Je höher dieser ausfalle, desto größer seien die Chancen auf eine Reaktivierung der Strecke mit attraktiven Rahmenbedingungen für Güter- und Personenverkehr. Das Land Rheinland-Pfalz habe auch für die Hunsrückquerbahn eine Nutzen-Kosten-Untersuchung in Auftrag gegeben, in die mögliche Interessenbekundungen aus der Wirtschaft positiv einfließen könnten.
Auch Thomas Hähn, Vorsitzender des Regionalrates Wirtschaft e.V., unterstrich die Potenziale der Hunsrückquerbahn: „Es entzieht sich aktuell unserer Vorstellung, weil wir es im wirtschaftlichen Sinne noch nicht betrachtet haben, da keiner es als realistisch angesehen hat. Ich glaube, uns als Unternehmen ist nicht bewusst, was alles möglich ist.“ Eine Reaktivierung könne nicht nur im Güterverkehr Vorteile bringen, sondern auch bei der Gewinnung von Fachkräften: „Wie oft wurde ich schon in Bewerbungsgesprächen darauf angesprochen, ob es eine Bahnverbindung in die Region gibt?“
Lukas Hirsch vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (SPNV Süd) erläuterte den Zustand der einzelnen Streckenabschnitte. Aufgrund noch ausstehender Sanierungsarbeiten sei die Streckenwiederherstellung derzeit bis zum 1. August 2026 geplant. Anschließend gelte es, die Nutzen-Kosten-Analyse weiterzuführen. Diese solle aufzeigen, welchen Mehrwert die Strecke sowohl für den Güter- als auch für den Personenverkehr bieten könne. „Es geht darum, es sich als Partner vorstellen zu können“, so Hirsch.
Als Experte für den Güterverkehr war Bernward Heinemann seitens der Zweckverbände SPNV Süd und Nord eingebunden. Er berichtete, dass die Strecke grundsätzlich mit deutlich mehr als 50 km/h befahrbar sei. Aktuell nutzbare Serviceeinrichtungen der DB befänden sich unter anderem an den Bahnhöfen Stromberg und Simmern, zudem existiere eine Trafoverladestation in Windesheim. Weitere infrastrukturelle Potenziale böten die Bahnhofsgleise in Kirchberg und Büchenbeuren. Darüber hinaus erläuterte Heinemann mögliche Standorte für Anschlussgleise. Sein Fazit: „Jetzt gilt es, etwas aus der gegebenen Situation zu machen.“
Thorsten Müller vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord ging abschließend nochmals auf die Bedeutung der Nutzen-Kosten-Analyse ein und hob die Rolle des Interesses der regionalen Unternehmen hervor. „Wir sitzen hier alle in einem Zug“, erläuterte er schmunzelnd, „wir alle wollen, dass das bereits investierte Geld nicht auf der Strecke bleibt, sondern dass wir etwas daraus machen, wovon die Region am Ende den besten Nutzen hat.“ Ziel sei es, gemeinsam das bestmögliche Ergebnis zu erzielen und dies mithilfe der fundierten Nutzen-Kosten-Analyse darzustellen.
Eine weitere Informationsveranstaltung ist geplant, um vertieft auf die Möglichkeiten des Güterverkehrs auf der Hunsrückquerbahn einzugehen. Unternehmen, die einen potenziellen Nutzen für sich erkennen, sind eingeladen, sich unterstützend an die Ansprechpartner der Zweckverbände zu wenden. Je mehr Absichtserklärungen im Rahmen der Nutzen-Kosten-Analyse vorgelegt werden können, desto realistischer wird eine Reaktivierung der Strecke.
Weitere Informationen, auch zu Ansprechpartnern für die Unternehmen, können der Homepage der Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück-Kreis www.kreis-sim.de entnommen werden.