Erfolgsgeschichte internationaler Fachkräfte: Brasilianischer Ingenieur Rafael Lange Rabelo arbeitet jetzt im Rhein-Hunsrück-Kreis bei BEWA solutions - Unterstützung durch GELOBTES LAND
Die Verbindung zwischen dem Hunsrück und Brasilien hat eine lange Tradition. Vor über 200 Jahren verließen viele Menschen aus dem Hunsrück ihre Heimat und wanderten nach Südbrasilien aus – ein kulturelles Band, das bis heute wirkt und im Jubiläumsjahr 2024 besonders sichtbar wurde. Diese historisch gewachsene Beziehung hat nun erneut zu einer Erfolgsgeschichte geführt: Der brasilianische Ingenieur Rafael Lange Rabelo, 25 Jahre alt, arbeitet seit dem 1. Januar 2026 bei der BEWA solutions GmbH in Simmern und hat mit Unterstützung der Standortkampagne GELOBTES LAND im Rhein-Hunsrück-Kreis eine neue berufliche und private Heimat gefunden.
2024 war Rafael schon einmal im Hunsrück – als einer von drei Teilnehmenden eines Pilotprojekts, das der Regionalrat Wirtschaft Rhein-Hunsrück e.V. im Rahmen der Standortkampagne GELOBTES LAND gemeinsam mit dem Goethe-Institut Porto Alegre sowie in Zusammenarbeit mit dem Verein der Brasilienfreunde e.V. Simmern / Hunsrück und hier ansässigen Unternehmen auf den Weg brachte. Sein damaliges Praktikum bei zwei Hunsrücker Industriebetrieben hinterließ einen bleibenden Eindruck – so nachhaltig, dass er sich ein halbes Jahr später aus Brasilien heraus erneut meldete und sich auf eine feste Stelle bewarb.
BEWA solutions unterstützt Einreise
„Ich war zunächst überrascht, seine Bewerbung zu lesen“, erinnert sich Nadja Schuth, Personal- und Finanzverantwortliche bei BEWA solutions. „Nach Rücksprache mit seinem früheren Betreuer Stefan Simon war jedoch schnell klar: Rafael ist fachlich stark, zuverlässig und passt gut ins Team.“ Bereits im März 2025 fand das erste digitale Bewerbungsgespräch statt. Für das Unternehmen war Rafael der erste Mitarbeitende aus dem Ausland, der zum Zeitpunkt der Bewerbung noch nicht in Deutschland lebte – eine neue Erfahrung, der man offen, aber mit Respekt vor möglichen administrativen Hürden begegnete. Geschäftsführer Norman Michel betont: „Wir wussten nicht, welche Formalitäten im Hinblick auf Anerkennung, Visa und Einreise auf uns zukommen würden. Umso erfreulicher war es, wie unkompliziert und schnell die Behörden gearbeitet haben.“ Der Antrag für ein beschleunigtes Fachkräfteverfahren wurde gestellt und genehmigt, innerhalb eines Vierteljahres lagen alle Unterlagen vor. Auch in Brasilien verlief der Prozess reibungslos. BEWA solutions übernahm zudem die Flugkosten, um den Start zu erleichtern. Rafael reiste Ende November 2025 ein – pünktlich, um mit seinem neuen Team die Weihnachtsfeier zu erleben.
Brasilienfreunde in Ellern helfen beim Ankommen
Eine wichtige Rolle beim Ankommen spielte außerdem die ehrenamtliche Unterstützung von Otto Mayer und Doris Wittig aus Ellern, die dem Verein der Brasilienfreunde e.V. Simmern / Hunsrück angehören und schon 2024 beim Praktikumsprojekt engagiert waren. Otto Mayer unterstützte bei der Autosuche, Doris Wittig vermietete Rafael eine Einliegerwohnung und half tatkräftig dabei, Unterlagen für die Ausländerbehörde zusammenzustellen. Diese private Unterstützung macht einen enormen Unterschied, betont der Regionalrat Wirtschaft. „Als Brasilienfreunde reisen wir regelmäßig nach Brasilien und pflegen seit vielen Jahren enge Kontakte dorthin“, so Otto Mayer, Vorsitzender der Brasilienfreunde. „Uns freut es sehr, dass wir Rafael beim Ankommen unterstützen konnten – das ist für uns eine Herzensangelegenheit und Teil unserer Verbundenheit mit den Menschen in Brasilien“, ergänzt er.
Die Geschichte von Rafael fügt sich damit in eine Erzählung ein, die weit über einzelne Projekte hinausreicht. Die Verbindung zwischen dem Hunsrück und Brasilien besteht seit mehr als zwei Jahrhunderten – geprägt von Menschen, die damals aus dem Hunsrück in eine neue Welt aufbrachen und deren Nachfahren bis heute in Südbrasilien leben. Dass nun junge Fachkräfte wie Rafael den Weg in die andere Richtung gehen, ist ein bemerkenswertes Kapitel dieser gemeinsamen Geschichte und zeigt, wie lebendig diese Verbindung geblieben ist. Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises, Volker Boch dazu: „Die Verbindung zwischen dem Hunsrück und Brasilien ist nicht nur ein wertvolles historisches Erbe, sondern auch in Gegenwart und Zukunft lebendig. Beispiele wie die von Rafael Rabelo zeigen, welches Potenzial in dieser Beziehung steckt. Als Landkreis sehen wir es als unsere Aufgabe, internationale Fachkräfte willkommen zu heißen und ihnen gute Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Start zu bieten. Sie sind eine Bereicherung für unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft und die Zukunftsfähigkeit unserer Region.“
Rafael hat deutsche Wurzeln und eine gute Ausbildung
Auch persönlich hat Rafael eine besondere Verbindung zu Deutschland: Sein Familienname Lange stammt von deutschen Vorfahren, deren Spuren er allerdings noch sucht. „Die Sprache ist in meinem Blut“, sagt er, auch wenn in der Familie heute nur noch der Cousin seines Großvaters Deutsch spricht. Seine Begeisterung für die deutsche Sprache und Kultur war letztlich ein zentrales Motiv, den Schritt nach Europa zu wagen. „Seit ich Deutsch lerne, wollte ich Deutschland sehen und erleben.“
In Brasilien hatte Rafael Mechatronik studiert und sowohl in Automatisierungsunternehmen als auch später als Softwareentwickler bei BMW gearbeitet. Bei BEWA solutions ist er nun als SPS-Programmierer tätig – entwickelt also gewissermaßen das „Gehirn“ für Maschinen, die logischen Abläufe und Steuerungen industrieller Anlagen. Der Einstieg gelang schneller als erwartet. „Ein erfahrener Kollege arbeitet ihn ein, und wir sind sicher, dass Rafael bald eigenständig Projekte übernehmen kann“, sagt Bereichsleiter Martin Memmesheimer. Bei BEWA solutions weiß man, dass internationale Talente ein Team fachlich und menschlich bereichern können: „Wir glauben daran, dass starke Teams aus unterschiedlichen Perspektiven entstehen. Bei uns zählen Engagement, fachliche Stärke und Teamspirit. Wir sind daher offen für neue Wege und unterstützen Menschen wie Rafael gerne dabei, bei uns anzukommen und sich langfristig zu entwickeln“, so Geschäftsführer Norman Michel.
Für Rafael selbst ist der Arbeitsalltag ein Lernprozess – fachlich wie sprachlich. Er hört deutsche Podcasts, liest Zeitungen, schaut Automatisierungs-Videos und spricht viel mit seiner Vermieterin und Kollegen. „Vor allem die Fachbegriffe muss ich lernen“, sagt er. „Aber es ist schön zu sehen, wie man jeden Tag ein Stück besser wird.“ Im Team fühlt er sich gut aufgenommen: „Die Stimmung ist super, und die Kollegen helfen mir viel.“
Auch das Leben im Hunsrück gefällt Rafael. Die ruhige Landschaft und die Natur sorgen für Erholung, gleichzeitig ist er mit seiner Freundin Ula – einer angehenden Ärztin aus Litauen, die er 2024 im Deutschkurs in Frankfurt kennenlernte – schnell in größeren Städten wie Mainz oder Frankfurt. Ula absolvierte in diesem Jahr bereits ein Praktikum in einer Simmerner Arztpraxis und möchte künftig ebenfalls im Rhein-Hunsrück-Kreis arbeiten.
Region profitiert von internationalen Fachkräften
Für den Regionalrat Wirtschaft ist der Gewinn internationaler Fachkräfte ein wichtiger Baustein – gerade in Zeiten zunehmender Personalengpässe. Achim Kistner, Geschäftsführer des Regionalrats Wirtschaft, ordnet ein: „Der Fachkräftemangel ist real und betrifft unsere Unternehmen schon heute. Deshalb ist es entscheidend, internationale Talente für den Rhein-Hunsrück-Kreis zu gewinnen – und gleichzeitig Verfahren zu schaffen, die schnell, transparent und pragmatisch funktionieren. Die Geschichte von Rafael zeigt, dass genau das möglich ist: Wenn Motivation, Unterstützung und gute Rahmenbedingungen zusammenkommen, profitieren alle – die Unternehmen, die Region und die Menschen, die hier eine neue Perspektive finden.“
Dass der Weg von Rafael nach Deutschland überhaupt möglich war, ist auch ein Erfolg des Projekts GELOBTES LAND. „Wir freuen uns riesig, dass wir Rafael auf seinem Weg in unsere Region unterstützen konnten und er hier einen Arbeitgeber gefunden hat, der ihn unterstützt, sich beruflich weiterzuentwickeln und Karriere zu machen“, sagt Hannah Wagner, Projektleiterin GELOBTES LAND. Besonders erfreulich sei, dass auch seine Partnerin, die Ärztin wird, Gefallen an einem Leben im Landkreis gefunden habe. „Genau solche Menschen braucht unsere Region, die mit Leidenschaft ihren Beruf ausüben und unsere Region mitgestalten.“
Die BEWA solutions GmbH beschäftigt seit der Fusion von HW-Elektrotechnik und BeWa Automatisierung im Jahr 2025 mittlerweile rund 190 Mitarbeitende an den Standorten Simmern und Laudert. Allein in diesem Jahr wurden acht neue Mitarbeitende eingestellt, darunter auch Rafael. Sein Weg zeigt exemplarisch, wie internationale Fachkräftegewinnung gelingen kann – und wie wertvoll Programme wie die Kooperation mit dem Goethe-Institut Porto Alegre sind.
Denn auch von dort gibt es positive Signale: Das Goethe-Institut Brasilien hat bereits angekündigt, auch zukünftig Praktikantinnen und Praktikanten in den Rhein-Hunsrück-Kreis senden zu wollen. Damit könnte aus einer einzelnen Erfolgsgeschichte eine langfristige Entwicklung werden, die die Region nachhaltig stärkt.